Die grüne Latzhose

Ich erinnere mich an Grün – und plötzlich purzeln jede Menge Bilder durch mein Gedankenkino.

Ich war 14 oder vielleicht auch schon 15.
Meine quietschgrüne Latzhose war selbst genäht, genauer gesagt von Mama und mir gemeinsam. Latzhosen waren „in“ und unerschwinglich für unser Familienbudget. Aber meine Mutter hatte einen Schnitt dafür gefunden und ich suchte mir den Stoff dafür aus. Baumwolle natürlich.
Aus irgendeinem Grund, der mir heute mehr als 50 Jahre später nicht mehr präsent ist, wählte ich nichts Dezentes, sondern das absolute Gegenteil. Froschgrün. Nahezu leuchtend.
Damit auch jeder sehen sollte, dass da ich kam? Keine Ahnung.

Wenn ich daran zurückdenke, ist es mir fast peinlich. Die Latzhose wurde gemäß Schnitt angefertigt, passte super, betonte die Figur und hatte in den Beinen Überlänge. Damit sie auch trotz der Plateau-Clogs aus weißgelbem Plastikleder, die ich dazu trug, bis zum Boden reichte.

Der Saum war bald durchgescheuert, denn ich trug sie oft. Gerne zusammen mit dem bauchfreien Mohair-Pulli, den ich mir selbst gestrickt hatte. Und an der Seite blitzte zwischen Pulli und Hose in der Taille immer ein kleines bisschen Haut durch. Zumindest, wenn meine Mutter nicht hinschaute.

Ich habe das Bild noch sehr deutlich vor Augen. Kein Wunder, mit diesem Grün. Und auch das Gefühl, das der Pulli auf der Haut und der Luftzug am Bauch hinterließen.

Gerade fühle ich mich wieder kurz mal wie ein Teenager. 
entstanden im September 2026
im Schreibrefugium von Anke Spory über Kindheit, Jugend und die eigene Generation

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