Kann es Frieden geben zwischen Weinbergschnecke und Damhirsch?

ein Gastbeitrag von Anita Sterr
Vor dem 11 Uhr Kaffee bin ich definitiv eine Weinbergschnecke.
Ich brauche es morgens einfach langsam, um mich wohlzufühlen.
Mein Schneckenhaus bietet mir dazu Schutz und Ruhe.

Erst mal meine Fühler rausstecken, einen nach dem anderen, und reinspüren, wie die Welt da draußen auf mich wirkt. Sobald sich alles gut und sicher anfühlt, dann gleite ich hinaus, ganz gemächlich in meinem Tempo.
Weinbergschnecke im Haus auf einem Blatt
Mein Mann ist das exakte Gegenteil. Er ähnelt morgens eher einem flinken Damhirsch.
Bei ihm muss morgens alles schnell gehen.

Über meine Langsamkeit kann er nur ungeduldig den Kopf schütteln und mit der Hufe scharren. Schnell ein paar Kleider übers Fell ziehen, zackig frühstücken, mit 100 PS in die Bar brausen, auf einen Espresso am Tresen und dazu eine flotte „Chiaccherata“ (in Deutsch: Plauderei) mit dem Barista.

Das mag ich auch, ohne Zweifel, aber halt nicht früh am Morgen. Laute Geräusche und hektische Aktionen überfordern mein morgendliches Schnecken-Nervensystem.  

Darum sind wir am Morgen alles andere als kompatibel. Unbedachte Worte entfachen gegenseitiges Unverständnis. Wenn am häuslichen Friedenshimmel dann die Gewitterwolken aufziehen, fliegen oftmals gewaltig die Fetzen.

Aber mit etwas Geduld kann auch ein hochkomplizierter Tagesbeginn seine verlorene Harmonie wieder finden.
Pferd galoppiert über eine Wiese
Meine Bestform beginnt so gegen 11 Uhr. Da werde ich zum Appaloosa-Pferd, das neugierig wiehert und kraftvoll durch die Welt galoppiert. Mein bunter Geist fliegt und ich beeile mich, alle Ideen festzuhalten.

Spätestens die liebevolle Zubereitung und der Genuss des gemeinsamen Mittagessens stellt unseren Hausfrieden wieder her. Beide schätzen wir den Wert einer selbst zubereiteten duftenden Pasta oder eines leckeren Fischtellers mit knackig frischem Gemüse.
Und das eint uns definitiv. Es lässt die Friedenssonne wieder hell zwischen uns scheinen.

Mein Mann mutiert ab dem Nachmittag zum gemütlichen Braunbären, der sich auf seiner Couch mit italienischen Quizformaten und Musiksendern vergnügt, während ich fröhlich meine Mähne schüttle und in die Tasten des Computers tippe.
schlafender Braunbär auf Felldecke
Ja es stimmt, diese morgendlichen Unstimmigkeiten kosten Energie. Aber aus unserer Gegensätzlichkeit entstehen manchmal auch Inspirationen für Geschichten, wie zum Beispiel dieser.
Der Frieden ist nicht dauerhaft, aber wir dürfen und können ihn jeden Tag neu entdecken.

Komm, gehen wir los, ihn zu suchen und wahrzunehmen. In uns und um uns herum.

Steckt er in der duftenden roten Rose, in der salzig-böigen Seeluft, im weichen Fell der Katze oder in unserem hüpfenden Herzen?
Spüren und verbreiten wir den Frieden, von einem Ende des Regenbogens bis zum anderen.

Langsam gleitend oder flott galoppierend, jeder auf seinem Weg, auf seine einzigartige Weise.  
Es ist wunderschön, ihn zu spüren, wenn er uns liebevoll vereint.
Ich danke ihm sehr, dem Frieden.
Ein riesiges Dankeschön an Lydia G. Gajewsky für Ihre Einladung zur Blogparade #Frieden2026,
der ich von Herzen gerne gefolgt bin.
Blogtext voller Lebensfreude erstellt von Anita Sterr
die Bilder sind KI-generiert

1 Gedanke zu „Frieden zwischen Weinbergschnecke und Damhirsch“

  1. Liebe Anita,
    herzlichen Dank für diesen zauberhaften Beitrag.
    Als ich den Titel las dachte ich zunächst, du schreibst etwas über das friedvolle Miteinander oder Nebeneinander in der Tierwelt. Auch das ist ja zuweilen beeindruckend.

    Aber es kam noch schöner. Der Vergleich deiner zeitabhängigen Energie und Kommunikationsform mit Schnecke und Pferd und der deines Mannes mit Hirsch und Bär … wie wundervoll.

    Sich arrangieren, sich aufeinander einlassen – akzeptieren und liebevoll annehmen der „merkwürdigen“ Bedürfnisse des anderen – Grundvoraussetzung einer guten Partnerschaft.

    Danke dass du uns so bildhaft vor Augen führst, wo Frieden beginnt: im Kleinen nämlich, im direkten Umfeld, bei Dir und mir!

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