Die geschenkte Stunde
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entstanden aus dem Impuls von Anna Koschinski
in der #Blognacht Nummer 66
Thema „Glückwunsch! Du bekommst eine Stunde geschenkt.“
(M)ein Traum wird wahr – die Zeit bleibt stehen
Die Frage begegnete mir schon häufiger:
„Was würdest du dir von einer Fee wünschen?
möchtest du in der Zeit reisen können? vorwärts oder rückwärts?
möchtest du dich ohne Reisezeit in andere Länder beamen können?
möchtest du Zeit mit einem berühmten Menschen verbringen? mit wem?
Und immer wieder ist meine Antwort „nein – keins davon!“
Ich träume auch einen Zeit-Traum, einen anderen, sehr speziellen:
Ich möchte gerne mal der Prinz aus dem Dornröschen-Märchen sein.
Gerade heute schrieb ich das in einem Kommentar auf LinkedIn;
auch da wurde nach meinen Zeitreise-Wünschen gefragt.
Ich möchte, dass die Zeit stehen bleibt, möchte, dass dieses ständige Achterbahn-Kettenkarussell-Hamsterrad-Drehen rund um mich herum endlich mal aufhört. Dass diese Dauer-Beschallung von Wünschen, Appellen, Anforderungen, Aufgabenlisten und Erwartungen der Welt um mich herum endlich stoppt. Einfach mal die Klappe hält, mich in Ruhe lässt.
Und ich wäre die Einzige, die sich noch bewegen kann, die noch ganz quicklebendig ist – wie der Prinz, der durch die dornigen Hecken hindurch das Dornröschenschloss erlöste – mit allen die darin wohnen und schlafen.
Möge bitte die Welt mal kurz stehenbleiben, damit ich wieder zu Atem kommen kann!
Kennst Du das Gefühl, ständig hinter allem hinterher zu hecheln?
So wie früher beim Schulausflug am Wandertag. Das Grüppchen, das am Ende der Klasse lief, wurde von allen anderen am Pausenplatz fröhlich kauend mit dem Satz begrüßt: „wo bleibt ihr denn so lange – wir warten schon die ganze Zeit auf euch!“ Sie schlucken den letzten Bissen vom Pausenbrot runter und trinken ihren Durst weg und schultern dann seelenruhig ihren Rucksack wieder mit den Worten: „so – jetzt können wir weiter!“
Das Grüppchen der Nachzügler hat gerade dazu angesetzt, die Wasserflasche aus dem Rucksack zu holen – und ist schon wieder zu spät. Schon wieder unter Druck, schon wieder zu langsam, schon wieder eine ärgerliche Bremse für die anderen.
So fühlt sich manchmal mein Alltag an.
Ich gebe mir Mühe, Dinge fertig zu stellen, zu erledigen, pünktlich abzuliefern, Erwartungen und Zusagen zu erfüllen …
und dann wartet mit Sicherheit am Ende der Abgabe neben dem erleichterten Gefühl „endlich fertig“ völlig überraschend das nächste dringende Auftragspaket.
Dann möchte ich auf den STOP-Knopf drücken können, der die Welt anhält, alles einfriert, damit ich in Ruhe mein Pausenbrot auspacken kann, tief durchatmen, Kraft sammeln und Köpfchen mit Inhalt und Krone wieder richten.
Und während die Zeit still steht, möchte ich mein Gefühl des ständigen zu-langsam-seins mal zum 1:1 Gespräch auf die Parkbank einladen.
Ich will es Aug in Auge fragen, was das soll, warum es immer wieder aus den Tiefen meiner Seele hochkrabbelt und mir sachlich gesehen Unfug erzählt.
Weder bin ich zu langsam noch erwarten andere von mir dieses Hamsterrad-Mindset.
Niemand!
außer diesem kakifarbenen Drill-Sergeant, der sich in meinem Inneren Team Freiheiten herausnimmt, für die er keinerlei Befugnis hat.
Wenn ich also jetzt tatsächlich eine Stunde geschenkt bekäme – würde ich die Welt anhalten und 10 Minuten für dieses Gespräch einsetzen. Nicht mehr. Viel zu kostbar für kakifarbene Gespräche.
Was tun mit den verbleibenden 50 Minuten?
Nun ja – da ist ja noch das Pausenbrot, das ich mir täglich mit Liebe zubereite, um es dann irgendwann in mich hinein zu stopfen, ohne wahrzunehmen, nach was die Liebe heute schmeckt.
Jetzt könnte ich mal auf den Geschmack meiner Selbstliebe kommen …
Und dazu der Milchkaffee, den ich mit extra wenig Schaum und extra Shot Espresso am liebsten mag;
die Hände um den Becher gelegt, könnte ich die Augen schließen, die Sonne mein Gesicht küssen lassen, Erinnerungs-Gedanken-Reisen an Kaffee-Genuss-Orte machen,
dem Wind lauschen – oder dem Meer,
die Lindenblüten erschnuppern oder das Herbstlaub, den Schnee oder das trocknende Heu.
Vielleicht würde ich sogar Kinderlachen hören, die Liebe meines Enkels im Herzen spüren und die Verbundenheit mit meiner Familie, meinen Freunden, den Grillen und Schmetterlingen um mich herum …
Da wären doch die 50 Minuten ganz fabelhaft investiert. Störungsfrei das Leben spüren mit allen Sinnen. Einfach sein!
Ja – so wünsche ich mir meine geschenkte Stunde. Genau so!
Und weißt Du was – die werde ich mir jetzt schenken. Kann ich ja machen.
Den Drill-Sergeant in seine Schranken weisen, das Hamsterrad-Gefühl in Pause schicken, das Handy ausschalten und dann raus auf die Wiese. Soll Dornröschen ruhig noch eine Stunde länger schlafen – darauf kommt es jetzt ja auch nicht mehr an.
Einfach mal die Welt anhalten – für eine Stunde!


Ich bin Theologin, Pädagogin und Coach
und auch Künstlerin, Bloggerin und Wahl-Ostfriesin.
Mit viel Herz zum Zuhören, Trösten, Mut machen und Fragen stellen
motiviere ich, unterstütze beim Gedanken sortieren und verbreite Freude.
Dafür verschenke ich auf meinem Blog Lächel-Impulse für mehr Lebensfreude
und sende monatlich am 27. meinen Lächel-Letter in die Welt, den Du hier abonnieren kannst.
Wenn Du individuelle Unterstützung beim Wiederfinden Deiner Lebensfreude möchtest
oder bei der Suche nach Deinem Sinn im Leben – dann schreib mir eine Mail.
Im 1:1 Coaching online oder live begleite ich dich ein Stück auf Deinem Weg zu Dir selbst.





Wie lange der Prinz wohl gebraucht hat bis er sich zum Dornröschen durchgekämpft hatte? Bestimmt mehr als eine Stunde. Aber dann hat er ihr ein gemeinsames Leben geschenkt. Auch viel mehr als eine Stunde. Vielleicht geht es gar nicht darum, wie viel Zeit man einander schenkt, sondern dass man es überhaupt tut. Und nicht zu vergessen: auch sich selbst. Ganz ohne Uhr.
Jaaaaaa – genau das! sich selbst Zeit schenken – ohne die Dauer zu messen.
Schenken sollte generell möglichst grenzenlos sein!
„Störungsfrei das Leben spüren“ – na wenn das kein Plan ist, liebe Lydia… Ja, es ist eine Entscheidung, aber manchmal sind diese Stimmen eben sehr laut und rufen ständig dazwischen, das kennen wir sicher alle. Gut, dass du mit deinem Text dazu einlädst, mal nachzuforschen, wer da immer so unqualifizierte Zwischenrufe produziert. Und schön, dass du dir die Zeit für die Blognacht geschenkt hast.
Die Blognacht-Zeit war wie immer wertvoll investiert.
den kakifarbenen Drill-Sergeant meines Inneren Teams kannte ich bisher noch nicht persönlich.
Gut, dass das lästige Störgefühl nun ein Gesicht hat – damit kann ich diskutieren!
Hallo Lydia,
also dein Beitrag zur Blognacht hat mich beim Lesen total eingefangen, richtig verzaubert! Wie wunderbar deine Gedanken sind!
Die Zeit hin und wieder für eine Stunde einfrieren zu lassen, das wäre ein lang gehegter Wunsch von mir. Um Atem zu holen und aufzuholen, genau so wie das verspätete Wandergrüppchen – eine geniale Metapher!!
Danke für diesen schönen Beitrag!
Liebe Grüße aus dem Mausloch
https://mausloch.blogspot.com/2026/03/die-geschenkte-blognacht.html
hin und wieder die Zeit einfrieren – und dann gut eingemummelt und warm verpackt ungestört alles tun (und lassen) können, wonach einem gerade ist …
Ja – das ist ein sehr schöner Wunsch, den wünsche ich uns auch, Sabine
Ein cooler Gedanke! Wäre ich als Dornröschen-Prinz bei mir im Büro, würde ich mir erstmal Zeit nehmen, ein paar Streiche vorzubereiten, bevor alle wieder aufwachen 😀
Ach wie lustig, Astrid, Streiche – daran habe ich ja schon seit Jahrhunderten nicht mehr gedacht.
Da geht gerade ein Feuerwerk in meinem Kopf los – danke dafür!!!!