Zauberworte Ostern 2026

eine Sammlung einzelner Ergebnisse
der Schreibimpulse Zauberworte 2026 von Susanne Niemeyer

… WÄCHST NOCH ÜBER OSTERN ….

Karsamstag: Was wäre, wenn …

„KAM DER NÄCHSTE TAG. ALLES TOT.
HATTEN SIE ANGST, DASS DIE FREUND*INNEN WÜRDEN DEN LEICHNAM STEHLEN.
WÜRDEN SAGEN: ER IST AUFERWECKT!
ALSO SICHERTEN SIE DAS GRAB. MIT EINEM STEIN. UND STELLTEN WACHEN DAVOR.“

… wenn wir wüssten, was in den Köpfen der anderen vorgeht,
wer vielleicht dasselbe will und wünscht wie wir selbst,
wo kämen wir da hin,
was wäre möglich,
welche Wunder warten auf uns, wenn wir das Wagnis eingehen
und nicht länger schweigen …

Gedanken von einer, die dabei war:
Das geht nicht gut aus, ich sag’s euch. Das ganze Verfahren gegen diesen Jesus war doch eine reine Farce. Die wollten ihn mundtot machen, weil er ihnen zu gefährlich wurde.
Wenn einer so wie er die richtigen Fragen stellt und alles rundherum still wird und niemand Antwort weiß; wenn einer so wie er sagt, was Sache ist und kein Blatt vor den Mund nimmt; das ist gefährlich für die an der Spitze, die ein schweigendes, kuschendes Volk brauchen.

Wenn so einer aufsteht, dann könnte sich das herumsprechen, dann stehen mehr auf, dann gibt es einen Aufstand.“

Was wäre, wenn …

– das schon längst begonnen hat
– die Grabsteine schon wackeln
– die Erde schon bebt

– die Mächtigen schon ein Zittern spüren
– die schweigende Menge schon murmelt
– die Ängstlichen schon ihren Mut sammeln

– der Aufstand schon da ist, die Aufstehenden sich schon verbünden
– die Frustrationstoleranz der Kuschenden überschritten ist
– die Veränderung nicht mehr aufzuhalten ist

Was wäre, wenn …

Karfreitag: Was tröstet?

„EINE STAND UNTERM KREUZ
EINE ERTRUG SEINEN SCHREI
EINE SAH IHN STERBEN
EINER HATTE EIN GRAB
EINER KAM AM ABEND UND BRACHTE WUNDERSAM DURCHMISCHT MYRRHE UND ALOE
UND SIE BEGRUBEN IHN.“

was tröstet uns, wenn Träume zerbrechen, das Leben Risse bekommt
und Menschen nicht mehr da sind?

Einer stand unter dem Kreuz.
Eine kam dazu und stimmte das Lied »Du bist da« an und wir summten leise mit.

Einer brachte ein großes Blatt, Pinsel, Stifte und Farben.
Wir füllten es gemeinsam mit Orange, Grün und Gelb,
mit Worten voll Trost und Gedanken der Hoffnung.

Einer kam am Abend, der brachte heiße Milch mit Espresso und einem Schuss Vanille.

Wir sahen ihn sterben.
Wir spürten den Hauch des Todes und den Sturm der Entrüstung – und auch den Wind der Versöhnung und des Wandels.

Eine kam, die hatte ein Grab; dort begruben wir ihn gemeinsam.

Und dann aßen wir zusammen Haferbrei mit Orangenstückchen und Schokosplittern, schauten uns Fotos der letzten gemeinsamen Reise an und weinten salzige Tränen in den Haferbrei.

Gründonnerstag: Bleib, wenn es einsam wird …

„IN DER NACHT VOR SEINER VERHAFTUNG SAGT JESUS ZU SEINEN FREUND*INNEN:
BLEIBT UND WACHT MIT MIR.“

das kennen wir: die Sehnsucht nach einem, der bleibt, nach einer, die für uns da ist

Bleib, sagst du,
und ich öffne mein Ohr für dein Jammern und Schimpfen

Bleib, sagst du,
und ich öffne mein Herz für deine Trauer

Bleib, sagst du,
und ich erzähle Geschichten, damit das Schwere leichter wird

Bleib, sagst du,
und ich singe mit dir, damit dein Herz aufgeht

Bleib, sagst du,
und ich teile meine Gedanken mit dir vom Glauben an das Gute in jedem Menschen.

Bleib, sagst du,
und ich schütte mein Wohlwollen über dir aus

Palmsonntag: No Kings today!

SAGT JESUS: BESORGT EINEN ESEL.
UND WENN JEMAND FRAGT: WARUM BRAUCHT IHR DEN?
SAGT IHR: WEIL DER KÖNIG KOMMT.
SIE LEGEN IHRE KLEIDER AUF DEN ESEL UND JESUS SETZT SICH DARAUF.
WIE EIN KÖNIG, DER EINZIEHT IN SEIN REICH.
JUBELN DIE LEUTE, BREITEN MANTEL UND HEMDEN AUS,
BRECHEN ZWEIGE VON DEN BÄUMEN UND RUFEN: HOSIANNA!
FEIERT DEN KÖNIG, FEIERT DAS REICH, DAS DA KOMMT!

brandaktuell:
mancher macht sich zum König, erklärt sich zum Herrscher der Welt
und der Welt bleibt das Lachen über seinen Größenwahn im Halse stecken

Sie hat beschlossen zu Fuß zu gehen, hat die Pumps gegen Sneakers getauscht. Ist sowieso überfällig diese High Heels Stolperei zu beenden. Für alle. Vielleicht sollte sie diesen Modemachern mal so richtig …. ach unwichtig … denkt sie…

Jetzt erst mal diese Stadt besuchen. Dieses Hamburg, das sich rühmt, am Meer zu liegen, das Tor zur Welt zu sein und das nun wirklich nichts von einer offenen Stadt mit Weltflair hat. Verknöcherte, verbissene, fast grimmige Gesichter sieht sie am Straßenrand unter den Neonreklamen stehen und sitzen. Mit schwarzen Hoodies und gelben Mülltüten.

Gut, dass sie selbst die wärmste Jacke angezogen hat, die im Schrank hing. Diese Blicke kriechen tief unter die Haut. Es ist ihr erster Staa(d)ts-Besuch, seit sie zur Königin wurde. Drei Wochen ist es her, da passierte der Unfall, der Vater und Mutter das Leben kostete. Jetzt ist sie Königin, sehr plötzlich und sehr traurig.

Für heute stand Hamburg auf dem Plan. Ihr Vater sollte hier mit Pomp und Protz einmarschieren, allen zeigen, wo der Hammer hängt, mit seinem gestylten KI-Esel, lebensecht, aber ohne Eselsäpfel, die die Straße verschmutzen und ohne Kuschelfell.

Sie geht zu Fuß. No Kings, only Queens, denkt sie. Mit Herz und ohne Krone, mit Sneakers und Kopftuch, gegen die steife Hamburger Brise, die grimmigen Blicke und gegen jeglichen Hass. Unter dem Kopftuch, weiß wie ihre Sneakers, blitzen ihre roten Locken hervor, mit unbändiger Lust, wieder Freude in die Gesichter zu tragen.

Jetzt legt sie ihre Arme um Jonathan, den Esel, der neben ihr läuft. Keine KI, sondern echt, warm, kuschelig, äpfelnd.

Er reckt den Kopf in die Luft und schreit vor Freude, iiiii-aaaaah, iii-aaaah. „no kings, no war – peace for all on earth“ kann man hören – wenn man die (Esels-)Ohren weit genug aufsperrt
Nebelweg
Foto: Karen Elligsen

Ostermontag: Aufbruch

„IN D.“

das kennen wir:

Bleib, sagst du,

Ostersonntag: Imagine …

„IN D.“

das kennen wir:

Bleib, sagst du,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner