Rettung für den Lebenshof

ein Gastbeitrag von Anita Sterr
„Hereinspaziert, schön, dass du da bist!“ Tina gab Paul die Hand. Das Tor fiel krachend hinter ihm ins Schloss. „Gerne stelle ich dir heute meine Lieblinge vor. Ich hoffe sehr, dass du unserem Lebenshof helfen kannst!“

„Tja, Tierprojekte wie eures passen gut in unser Programm. Aber damit wir Erfolg haben, brauchen wir eine gute Story und Szenen, die unsere Zuschauer packen. Ist es okay für dich, wenn ich filme und Teile unseres Gespräches aufnehme?“ Paul zog das Handy aus der Tasche.

„Na klar! Dann fangen wir gleich an. Das sind Alberta und Gandolf, unsere Wachgänse.“ Das Geschnatter der weißen Vögel übertönte fast Tinas Stimme.
Schnatternde Gänse mit aufgestellten Flügeln auf Wiese
„Boah, die machen ihren Job aber gut!“ Paul nahm ein paar Sekunden auf und folgte ihr dann auf dem Kiesweg.

Sie kamen zu einer kleinen Koppel, auf der eine Gruppe Ponys genüsslich am frischen Gras rupften. Ein weiß-braunes Shetland-Pony reckte den Hals durch das Gatter.

„Das ist Giuly. Sie war total mager, als sie vor 2 Monaten zu uns gekommen ist. Jetzt geht es ihr besser und wir sind dicke Freunde.“
ein kleines Pony streckt den Kopf durch das Gatter des Weidezaunes
„Das merkt man. Sie schaut zufrieden aus. Tja, Pony müsste man sein…“, meinte Paul, als er Tina beim Kraulen zusah.

„Na, du schaust mir aber alles andere als bedürftig aus. Nur 2 Beine und viel zu fit für unseren Gnadenhof!“, antwortete Tina mit einem Grinsen.
„Schade. Dann muss ich erst noch viele Dokus veröffentlichen. Wenn ich grauhaarig auf allen vieren daherkomme, nehmt ihr mich dann?“ Mit gespielter Dramatik kniete er sich auf den Boden und warf einen Katzenbuckel.

Tinas Lachen erinnerte Paul an ein prickelndes Glas Prosecco an der Strandbar.
Ihre Stimme riss ihn aus seinen Träumereien: „Also gut, wenn deine Doku einschlägt und uns Geldgeber bringt, dann werde ich dir den Platz in der Katzenvilla reservieren. Jetzt komm, wir haben noch einige Stationen vor uns.“ Sie zog ihn auf die Beine und sie gingen weiter.

In einem Gehege mit kleiner Hütte saß ein schwarzes Kaninchen in einer Ecke.
schwarzes Kaninchen sitzt auf einer Wiese
„Das ist Friedhelm. Letzte Woche ist seine Lieblingspartnerin Sandy gestorben. Ich schaue nach ihm, so oft ich kann. Er ist noch traurig und will lieber allein sein. Aber wenn ihm danach ist, dann kann er jederzeit zu den anderen, die sind da drüben.“ Tina zeigte auf die Wiese hinter der Hütte, wo sich einige schwarz-weiße Kaninchen tummelten.

„Ah, ihr achtet auch die seelischen Bedürfnisse der Tiere! Das ist mega und gefällt bestimmt auch meinem Publikum!“ Paul nahm Abstand, um zu filmen.

„Jedes Tier hat seine Persönlichkeit und seine Bedürfnisse. Das respektieren wir, so weit als möglich.“ Tina zog eine kleine Karotte aus der Tasche. „Hier mein Kleiner!“. Das Kaninchen schnappte sich den Leckerbissen und verzog sich in den Schatten der Hütte. „Na zumindest frisst du wieder, also geht es bergauf!“ Tina blickte ihm nach und rieb sich die Hände.

Paul stoppte kurz die Aufnahme und nickte zufrieden. In seinem Kopf entstand die Story, die er veröffentlichen wollte.

Sie gingen weiter und näherten sich ein paar Hühnern, die im Gras nach Würmern suchten.
pickende Hühner
„Hallo meine Süßen, ich habe euch nicht vergessen. Lasst es euch schmecken!“ Tina öffnete den mitgebrachten Beutel und verstreute die Körner. Die Hühner pickten und liefen gackernd hin und her. 

„Das sind ja verschiedene Rassen. Vertragen sie sich untereinander?“, fragte Paul, ohne die Aufnahme zu unterbrechen.

„Da wir zurzeit keinen Hahn haben, ist es ruhig. Wir füttern an mehreren Stellen, damit auch die schwächsten Tiere zu ihrem Fressen kommen.“ Tina verstreute gerade die letzten Körner.

„Echt bemerkenswert, wie gut ihr organisiert seid!“ Paul machte sich Notizen und folgte Tina in Richtung Hofgebäude. „Naja, es war nicht immer so. Die letzten 10 Jahren haben wir immer wieder dazugelernt und unser System verbessert. Doch die finanzielle Seite bleibt eine permanente Herausforderung.“

„Was hat euch geholfen, nicht aufzugeben?“ Paul zoomte näher an Tinas Gesicht heran. „Die Tiere geben uns so viel zurück. Ihre Liebe ist mal überschwänglich, mal sanft, aber immer ohne Filter. Das schenkt uns Kraft zum Weitermachen. Und wenn’s ausweglos erscheint, dann atmen wir erstmal tief durch und konzentrieren uns auf den nächsten Schritt, dann auf den übernächsten und so findet sich nach und nach auch eine Lösung!“ Tina strich sich energisch eine dunkelblonde Strähne aus dem Gesicht.

Paul schwieg nachdenklich. Auf ihrem Weg in Richtung Hofgebäude kam ihnen humpelnd ein Hundemischling mit einer Prothese entgegen. „Na Jonny, mein Schatz, wie gehts dir heute?“ Der kleine Hund jaulte kurz und lief schwanzwedelnd auf Tina zu.
weiß-brauner Hund
„Was ist denn mit seinem Bein passiert?“, fragte Paul bestürzt.

„Ein Unfall. Ein Spaziergänger hat ihn winselnd am Straßenrand gefunden. Der Mann verständigte sofort den Veterinär und brachte ihn zu uns. Jonny hatte keinen Chip. Eine Anzeige in den regionalen Medien hat nichts gebracht. Da hat der Finder versprochen, für alle Kosten aufzukommen, damit Jonny wieder laufen kann. Er hat die volle Patenschaft übernommen.

„Der Mann ist wirklich ein Vorbild, wenn er sich weiterhin kümmert.“ Paul nahm alles auf, während er betroffen Tinas Erzählung lauschte.

„Jonny hatte Glück im Unglück. Ohne diesen Mann wäre er gestorben.“ Tina hielt ihn am Ärmel fest. „Erwähnst du das bitte mit den Patenschaften? Es ist sehr wichtig!“ Ihr bettelnder Blick gab Paul den Rest. Er musste ihr helfen.

„Ja, ich verspreche es. Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen. Schicksale, wie das von Jonny, bewegen die Leute. Du wirst sehen: Wir finden den richtigen Sponsor und mehr Tierpaten, als du dir vorstellen kannst.“ Pauls Stimme klang aufgeregt.

„Fantastisch! Und wenn endlich etwas übrigbleibt, dann können wir Land dazu pachten und noch mehr Tieren helfen.“ Tina strahlte übers ganze Gesicht. „Dafür lade ich dich zum Kaffee ein. Hast du Zeit?“

„Die nehme ich mir gerne! Aber du solltest mir noch meinen zukünftigen Platz in der Katzenvilla zeigen.“ Paul zupfte an seinen imaginären Schnurrhaaren.
Katze streicht einer Person um die Beine
Tina lachte herzhaft. „Na komm, ich zeige dir die Schlafkörbe in der Villa! Schau mal, unsere Mimy sitzt schon vor der Tür. Ich glaube, sie mag ihren neuen Mitbewohner.“

Die Katze strich um Pauls Beine und schnurrte behaglich, als er ihr über den Rücken streichelte.
Katze wird gestreichelt
Anitas tiefe Liebe zu Tieren hat sie zu dieser Geschichte inspiriert,
die Bilder sind KI-generiert

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