Ich war froh, in der überfüllten U-Bahn einen Sitzplatz ergattert zu haben. Atemlos zog ich den kleinen Taschenspiegel aus dem Rucksack, um meine Frisur und das aufgetragene Mini-Make-Up zu überprüfen.
Da passierte es. Urplötzlich ging das Licht aus und die Bahn kam ruckelnd zum Stehen. Mein Magen meldete sich mit dumpfem Druck. Das war furchtbar schlechtes Timing, so kurz vor meinem Vorstellungsgespräch. Wieder mal hatte ich es nicht geschafft, frühzeitig meine Wohnung zu verlassen. Der zeitliche Spielraum bis zum Termin war bedenklich gering.
Mit zitternden Händen suchte ich nach meinem Handy und wählte die Nummer der Firma. Verdammt, kein Netz. Der Stein in meinem Magen wurde schwerer.
In meinem Kopf breiteten sich wüste Szenarien aus, die eintreten würden, wenn ich diesen Termin versäumte. Mein Bankkonto lechzte schon eine Weile nach einem geregelten Einkommen.
Ich versuchte, tief einzuatmen und noch länger auszuatmen, ein paarmal hintereinander. Langsam wich die Panik und sanfte Ruhe breitete sich in meinem Bauch aus.
Neben mir hörte ich leises Weinen im Dunklen. Es klang nach einer jungen verzweifelten Frau.
„Keine Angst. Es wird alles gut!“, flüsterte ich ihr zu. „So etwas passiert öfters und sie werden den Stromausfall sicher schnell beheben.“
„Der Chef hat gedroht, mir zu kündigen, wenn ich nochmal zu spät komme. Aber ich brauche doch den Job!“, ertönte gequält ihre Stimme, während sie sich die Nase schnäuzte.
„Aber das ist doch nicht deine Schuld. Das mit dem Stromausfall steht morgen bestimmt in der Zeitung, das kannst du ihm dann zeigen. Du wirst sehen, das wird er als Entschuldigung akzeptieren.“
„Meinst du?“ „Aber sicher. Es gibt immer eine Lösung!“
Ich nestelte die Praline, die ich als Trost im Falle einer Absage eingesteckt hatte, aus meiner Jackentasche. Im Dunklen reichte ich sie der jungen Frau. „Hier, ein wenig Schokolade, das tut den Nerven gut!“
„Oh, danke schön!“ Die Hand der Frau berührte kurz suchend meine Finger, bevor sie die Praline in Empfang nahm.
Mein eigenes Problem kam mir wieder in den Sinn. „Auch ich habe einen wichtigen Termin, ein Vorstellungsgespräch um 11 Uhr. Das wird sehr knapp. Aber ich will mal daran glauben, dass das Universum mich führt und das Richtige passieren wird.“
„Interessant. In welcher Firma hast du denn den Termin?“ „Bei der Werbeagentur Buntstern in der Schützenstraße.“
„Boah, genau dort arbeite ich seit 2 Jahren.“ Die junge Frau klang jetzt aufgeregt und fast fröhlich. „Das Klima ist super, nur der Chef etwas streng. Zumindest was das Zuspätkommen anbelangt. Hej, wenn du die Stelle bekommst, dann sehen wir uns öfter, das wäre super!“
„So eine glückliche Fügung! Da können wir uns gleich gegenseitig ein Alibi für die Verspätung geben!“, gluckste ich vergnügt. Schlagartig erblühte die Hoffnung in mir, bald mit dieser netten Kollegin zusammenarbeiten zu dürfen.
Das Licht ging an und blendete ein wenig, bis sich die Augen wieder daran gewohnt hatten. Neugierig musterte ich das sympathische Gesicht meiner Sitznachbarin und spürte, dass der Tag eine gute Wendung genommen hatte.
Nach zehn Minuten nahm die Bahn erneut ihre Fahrt auf und brachte uns in Windeseile zu unserer Endstation. Angeregt plaudernd verließen wir das U-Bahn-Gelände und machten uns auf den Weg zu unserem gemeinsamen Ziel.
Blogtext von Anita Sterr die Bilder sind KI-generiert
Gastbeitrag von Anita Sterr: Beim Christkindlmarkt ist vieles anders als sonst. Ein besonderer Zauber liegt in der Luft. Es duftet nach Wunder und Überraschung und strahlendes Licht wärmt die Herzen.
Gastbeitrag von Anita Sterr: Grübelnd sitze ich vor der Tastatur. Mir fehlt ein stimmiger Schlusssatz; da gleitet mein Blick zu der freundlich lächelnden Engelin mit dem silbernen Krönchen.
Zweiter Gastbeitrag von Anita Sterr: Im Grenzwald aus den Kindertagen ist endlich auch der Čerchov zugänglich. Freiheit ist sichtbar und spürbar. Und es wird klar, woher das Lebensmotiv der grenzenlosen Gemeinschaft rührt.